Wo Schweizer KMU bei KI wirklich stehen, Oktober 2024
Eine kurze Standortbestimmung: was sich in zwölf Monaten geändert hat, was nicht, und die drei Fragen, die vor jedem Kauf beantwortet sein sollten.
Vor einem Jahr war die KI-Frage in den meisten Schweizer KMU einfach: Dürfen wir ChatGPT überhaupt nutzen? Im Oktober 2024 ist die Frage schwieriger und nützlicher. Welche unserer täglichen Aufgaben kann ein Sprachmodell wirklich gut, und was geschieht unterwegs mit unseren Daten?
Dieser Blog verfolgt die zweite Frage. Kurze Beiträge, datiert, ohne Getöse, geschrieben für Betriebe mit zehn bis zweihundert Mitarbeitenden und nicht für Forschungslabore.
Was sich in zwölf Monaten geändert hat
Modelle denken, bevor sie antworten. Am 12. September 2024 veröffentlichte OpenAI o1, das erste breit verfügbare Modell, das sich vor der Antwort Zeit für den Lösungsweg nimmt. Es ist langsamer und teurer — und bei mehrstufigen Aufgaben deutlich besser.
Die Kosten pro Antwort sind gefallen. An der Entwicklerkonferenz vom 1. Oktober 2024 führte OpenAI das Prompt Caching ein: 50 Prozent Rabatt auf Eingabetext, den das Modell kürzlich gesehen hat. Für eine Anwendung, die den ganzen Tag denselben Kontext mitschickt, ist das kein Rundungsfehler.
Kleine Modelle wurden brauchbar. Metas Llama 3.2 vom 25. September 2024 enthält Varianten, die auf einem Notebook laufen. Ein Modell auf eigener Hardware zu betreiben ist kein Forschungsprojekt mehr.
Was gleich geblieben ist
Die unglamourösen Teile eines Schweizer KMU liegen genau dort, wo sie lagen. Die Stammdaten stecken in fünf Systemen. Offerten entstehen von Hand aus einer alten Word-Vorlage. Kreditorenrechnungen werden Zeile für Zeile in die Buchhaltung getippt.
Ein Modell, das elegantes Deutsch schreibt, kennt Ihre Preise nicht, Ihre Lieferbedingungen nicht und auch nicht, welcher Kunde bei der dritten Mahnung steht. Fähigkeit allein schliesst diese Lücke nicht.
Drei Fragen vor jedem Kauf
- Welche Aufgabe, genau? Nennen Sie eine. « KI für die Firma » ist kein Projekt, sondern eine Budgetzeile ohne Verantwortliche.
- Wohin gehen die Daten? Welcher Anbieter, in welchem Land, wie lange gespeichert, für Training verwendet oder nicht.
- Wer prüft das Ergebnis? Eine Antwort, die niemand kontrolliert, ist keine gesparte Zeit. Sie ist verschobenes Risiko.
Wer diese drei Fragen nicht in zwei Minuten beantwortet, hat noch keinen Pilotversuch — unabhängig davon, wie gut die Demo aussah.
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