Deutsch

Ihre Kundschaft fragt neu: der KI-Abschnitt im Lieferantenfragebogen

Seit Februar haben Beschaffungsformulare grösserer Kunden einen neuen Block. Was dort gefragt wird — und wie man es in einer Viertelstunde beantwortet.

Wer grössere Firmen beliefert, besonders in der EU, hat es vielleicht schon gesehen: Der Lieferantenfragebogen, der früher nach ISO-Zertifizierung und Datenschutz fragte, hat neu drei, vier Fragen zur künstlichen Intelligenz.

Das ist der AI Act, der mittelbar bei Ihnen ankommt. Ihre Kundin hat Pflichten — oder erwartet sie — und reicht die Frage die Kette hinunter. Das geht nicht weg, und sie schlecht zu beantworten ist ein kaufmännisches Problem, kein rechtliches.

Was tatsächlich gefragt wird

Nutzen Sie KI bei der Leistungserbringung für uns? Ein Ja oder Nein, das die meisten falsch beantworten — weil sie KI als gekauftes Produkt denken statt als Funktion in Werkzeugen, die sie längst nutzen. Fasst Ihr Mailprogramm zusammen, ist Ihre Übersetzung maschinengestützt oder entstehen Ihre Offerten mit Hilfe, lautet die Antwort ja.

Wo werden die Daten verarbeitet? Land und Rechtsgrundlage. Dieselbe Antwort, die Sie nach dem November-Beitrag zu Übermittlungsgrundlagen aufgeschrieben haben.

Werden unsere Daten fürs Training verwendet? Die Antwort muss nein lauten, und Sie müssen zeigen können, wo Ihr Anbieter das sagt.

Haben Sie eine Weisung? Hier verdient sich die eine Seite ihr Geld.

Wie man gut antwortet

Beantworten Sie die erste Frage mit ja und sagen Sie konkret womit. Ein « Nein » von einem Betrieb, der ersichtlich gewöhnliche Bürosoftware nutzt, liest sich entweder nachlässig oder ausweichend — und wer zwanzig solche Bogen gelesen hat, merkt es.

Legen Sie die Seite bei. Eine datierte Seite mit Ihren Regeln ist eine bessere Antwort als drei Absätze Prosa, und sie ist das Schriftstück, das gesucht wird.

Wo etwas noch offen ist, sagen Sie es mit Datum. « In Überarbeitung, nächste Fassung Juli 2025 » ist eine glaubwürdige Antwort. Schweigen nicht.

Warum das die eigentliche Frist ist

Für die meisten Schweizer KMU wird nie eine Behörde nach KI-Steuerung fragen. Eine Kundin schon, und zwar dieses Jahr — und die Antwort landet in einer Akte, die mitbestimmt, ob Sie auf einer Lieferantenliste bleiben.

Das ist ein konkreterer Grund, die Seite aktuell zu halten, als jede Vorschrift — und das Argument, das man intern vorbringt, wenn jemand fragt, wozu das gut sein soll.

← Zurück zur Übersicht