6,6 Milliarden Dollar für einen Lieferanten: das Klumpenrisiko in Ihrem KI-Plan
Die Finanzierungsrunde von OpenAI vom 2. Oktober 2024 bewertete das Unternehmen mit 157 Milliarden Dollar. Nicht die Zahl ist interessant, sondern die Abhängigkeit.
Am 2. Oktober 2024 schloss OpenAI eine Finanzierungsrunde über 6,6 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 157 Milliarden Dollar ab, angeführt von Thrive Capital. Es war die grösste je verzeichnete Wagniskapitalrunde und brachte die Gesamtfinanzierung auf rund 17,9 Milliarden Dollar.
Für ein Schweizer KMU mit dreissig Mitarbeitenden ändert die Schlagzeile nichts. Die Struktur dahinter sollte eines ändern: wie Sie Ihren nächsten Softwarevertrag schreiben.
Die stille Abhängigkeit
Die meisten 2024 eingekauften KI-Funktionen sind keine eigentlichen Produkte. Sie sind eine dünne Schicht über dem Modell eines einzigen Lieferanten. Ihr Dokumentenwerkzeug, Ihr CRM-Zusatz, Ihre Sitzungszusammenfassung — fragen Sie den Anbieter, welches Modell darunter liegt, und die Antwort lautet sehr oft gleich.
Das ist eine Konzentration, die Sie nie ausdrücklich bewilligt haben. Sie ist in der Lieferantenliste unsichtbar, denn auf dem Papier haben Sie fünf Anbieter. Darunter vielleicht einen.
Warum das mehr wiegt als sonst
Drei Gründe, keiner davon dramatisch.
Der Preis wird von einer Partei gesetzt. Die Kosten sind gefallen, was angenehm und nicht garantiert ist. Ein Lieferant, der sich in dieser Grössenordnung finanziert, muss irgendwann Rendite erwirtschaften.
Bedingungen ändern einseitig. Modellversionen werden abgekündigt, Limiten verschoben, Datenschutzbedingungen überarbeitet. Sie erfahren es per E-Mail.
Verfügbarkeit ist geteilt. Hat ein Anbieter eine Störung, fallen alle darauf gebauten Werkzeuge gleichzeitig aus. Das ist ein anderes Risikoprofil als fünf unabhängige Ausfälle.
Was in den nächsten Vertrag gehört
- Den Unterauftragnehmer benennen. Verlangen Sie, dass der Anbieter nennt, welchen Modellanbieter er nutzt, in welchem Land die Verarbeitung stattfindet, und dass er einen Wechsel vorgängig meldet.
- Einen Ausgang verlangen. Lassen sich Prompts, Vorlagen und Verlauf in brauchbarer Form exportieren? Klären Sie das vor der Unterschrift, nicht während einer Migration.
- Die Trainingsklausel prüfen. Ihre Inhalte dürfen nicht zum Training fremder Modelle verwendet werden. In Geschäftstarifen ist das Standard, in vielen Privattarifen fehlt es.
- Einen Prozess modellunabhängig halten. Mindestens ein wichtiger Ablauf sollte so gebaut sein, dass das Modell darunter austauschbar ist. Das ist Versicherung — und hält den Anbieter bei der Verlängerung ehrlich.
Nichts davon spricht gegen das beste verfügbare Modell. Es spricht dafür, schriftlich zu wissen, welches Sie genau einsetzen und was geschieht, wenn es wechselt.